Ein praktischer Wegweiser durch die Stadtviertel
Athen bietet mehr als antike Ruinen. Von der historischen Plaka bis zum alternativen Exarcheia: Lernen Sie die verschiedenen Stadtteile kennen und finden Sie heraus, welche Gegend am besten zu Ihnen passt.
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Ein praktischer Guide zu den Stadtvierteln von Athen
Blickt man von oben auf Athen, könnte man die Stadt für einen riesigen Dschungel aus Beton halten. Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell: Jedes Viertel ist wie ein kleines Dorf für sich, mit eigener Geschichte und Identität. Hier ist ein Wegweiser durch die zentralen Nachbarschaften Athens, der Ihnen bei der Orientierung und der Wahl Ihrer Unterkunft hilft.
Plaka und Anafiotika: Der historische Kern
Wer das romantische Athen der Postkarten sucht, ist in der Plaka genau richtig. Wegen ihrer Nähe zum heiligen Felsen wird sie oft als „Viertel der Götter“ bezeichnet. Sie ist der älteste durchgehend bewohnte Stadtteil der Metropole. Auch wenn es hier touristisch zugeht: Die labyrinthartigen Gassen mit ihren Bougainvillea-Blüten und neoklassizistischen Häusern sind unbestreitbar schön. Man kommt hierher, um Geschichte zu atmen und die Ruhe einer autofreien Zone inmitten der Großstadt zu genießen.
Versteckt direkt oberhalb der Plaka liegt das geheime Viertel Anafiotika. Es bietet ein völlig anderes Gesicht. Im 19. Jahrhundert von Maurern der Kykladeninsel Anafi erbaut, wirkt diese Ansammlung weißer Würfelhäuser wie ein Inseldorf, das an den Hang der Akropolis versetzt wurde. Es ist ruhig, friedlich und bietet einige der besten Panoramablicke über das Häusermeer der Stadt.
Warum sich ein Besuch lohnt: Für den ultimativen romantischen Spaziergang und das Gefühl, auf einer „Insel in der Stadt“ zu sein.
Sehenswertes: Die Römische Agora, das Museum für griechische Volksinstrumente und die verwinkelten Treppen von Anafiotika.
Monastiraki und Psirri: Märkte und Nachtleben
Verlässt man die historischen Höhen, betritt man das lebendige Handelsherz von Monastiraki. Dieses Viertel definiert sich durch seine Energie. Es ist eine positive Reizüberflutung aus Flohmärkten, Antiquitätenhändlern und dem Duft von gegrilltem Souvlaki. Hier sucht man nach Vinylplatten, alten Münzen und Ledersandalen. Doch gleich auf der anderen Seite der Ermou-Straße liegt Psirri, ein Viertel mit einer raueren, sich wandelnden Identität. Einst die Heimat der „Mangas“ (respektierte Raufbolde der alten Zeit), ist Psirri heute das Epizentrum des Athener Nachtlebens und der Handwerkskultur.
Psirri ist eine faszinierende Mischung. Altmodische Kupfertreiber und Korbflechter arbeiten hier neben trendigen Industrie-Lofts und Street-Art-Galerien. Wenn die Sonne untergeht, wird es lauter. Die Straßen füllen sich mit Einheimischen, die in Mezedopoleia (Restaurants für kleine Gerichte) essen, oft begleitet von live gespielter Rembetiko-Musik. Die Atmosphäre ist unkonventionell, lebendig und authentisch.
Warum sich ein Besuch lohnt: Um die vielseitige Street Art zu erkunden und die beste abendliche Stimmung der Stadt zu erleben.
Sehenswertes: Der Flohmarkt von Monastiraki (Avissinias-Platz), der Platz der Helden in Psirri und das Café Little Kook.
Koukaki: Lokales Flair und moderne Gastronomie
Südlich der Akropolis weicht der touristische Trubel der entspannten, kultivierten Coolness von Koukaki. Dieses Wohnviertel hat sich schnell zu einem der angesagtesten Orte Europas entwickelt, bewahrt aber seinen Charakter als echte Nachbarschaft. Hier sehen Sie, wie moderne Athener leben. Die Straßen sind von Bitterorangenbäumen gesäumt. Die Gehwege sind belebt von Menschen, die die blühende Brunch- und Kaffeekultur der Stadt genießen.
Koukaki bietet die perfekte Balance: Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß erreichbar, aber die Menschenmassen der Plaka fehlen. Besonders beliebt sind die Fußgängerzonen in der Drakou- und Georgiou-Olympiou-Straße. Sie fungieren als Wohnzimmer unter freiem Himmel für die Anwohner. Hier finden Sie Concept Stores, Designstudios und einige der innovativsten Cocktailbars der Stadt.
Warum sich ein Besuch lohnt: Für einen entspannten Nachmittagskaffee und die wohl beste Brunch-Szene Athens.
Sehenswertes: Das Akropolis-Museum, das Nationalmuseum für Zeitgenössische Kunst (EMST) und Django für das beste Eis der Stadt.
Exarcheia: Die alternative Szene
Exarcheia wird oft missverstanden und meist nur durch die Linse seiner turbulenten politischen Geschichte als Heimat des griechischen Anarchismus betrachtet. Es gibt hier durchaus raue Ecken und politische Graffiti, doch Exarcheia ist auch das intellektuelle Herz Athens. Wer sich für Gegenkultur, Vintage-Schätze und engagierte Diskussionen interessiert, ist hier richtig. Das Viertel widersetzt sich der sanften Gentrifizierung und bewahrt eine raue Authentizität, die in europäischen Hauptstädten selten geworden ist.
Jenseits der Politik ist Exarcheia ein Paradies für Bücherwürmer und Musikliebhaber. Es gibt eine unglaubliche Dichte an unabhängigen Verlagen, staubigen Buchhandlungen und Läden für seltene Schallplatten oder Gitarren. Die Stimmung ist gemeinschaftlich und trotzig. Luxusketten sucht man vergeblich; stattdessen findet man genossenschaftlich geführte Cafés und hervorragendes, günstiges Essen für die lokale Studentenschaft.
Warum sich ein Besuch lohnt: Um den künstlerischen Widerstand der Stadt zu erleben und in tollen unabhängigen Buchläden zu stöbern.
Sehenswertes: Das Archäologische Nationalmuseum (direkt angrenzend) und das Restaurant Ama Lachei.
Kolonaki: Museen und schicke Boutiquen
Wenn Exarcheia der rebellische Student ist, dann ist Kolonaki der elegante Aristokrat. Am Fuße des Lykavittos-Hügels gelegen, ist dies bis heute das vornehmste Viertel im Zentrum. Die Straßen sind gesäumt von internationalen Luxusboutiquen, privaten Galerien und neoklassizistischen Botschaftsgebäuden. Man kommt nach Kolonaki, um sich etwas zu gönnen – sei es beim Schaufensterbummel oder bei einem sorgfältig zubereiteten Cappuccino auf einem Platz, der auch von Politikern und Prominenten frequentiert wird.
Doch Kolonaki steht nicht nur für Konsum. Es ist auch das kulturelle Kraftzentrum der Stadt. Innerhalb weniger Straßenzüge ballen sich hier Museen von Weltrang. Die Architektur ist großartiger und die Straßen sind sauberer als anderswo. Es bietet eine Atempause von der chaotischen Energie der Innenstadt und verbindet europäische Finesse mit griechischer Gastfreundschaft.
Warum sich ein Besuch lohnt: Um erstklassige Kunstsammlungen zu sehen und in glamouröser Umgebung Leute zu beobachten.
Sehenswertes: Das Benaki-Museum für Griechische Kultur, das Museum für Kykladenkunst und die Standseilbahn auf den Lykavittos.
Praktische Tipps für den Weg durch die Stadt
Der Wechsel zwischen diesen unterschiedlichen Vierteln ist überraschend einfach, da das Zentrum Athens kompakt und gut zu Fuß machbar ist. In weniger als zehn Minuten gelangt man von den edlen Straßen Kolonakis in das raue Exarcheia und überquert dabei unsichtbare Grenzen, die die Atmosphäre schlagartig verändern. Stellen Sie sich jedoch auf unebene Wege und Marmorbürgersteige ein, die sehr glatt sein können. Bequeme, flache Schuhe sind für die Hügel und das Kopfsteinpflaster der Stadt absolute Pflicht.
Für längere Strecken ist die Athener U-Bahn Ihr bester Freund. Sie ist zuverlässig, sicher und wirkt oft selbst wie ein Museum: Stationen wie Syntagma und Monastiraki stellen antike Artefakte aus, die während des Baus gefunden wurden.
