Wer war Santa Eulàlia? Die Legende von Barcelonas Schutzpatronin
Lange vor La Mercè war Santa Eulàlia die Schutzheilige der Stadt. Ein Blick auf ihre Legende, die berühmten 13 Gänse der Kathedrale und die Traditionen des Winterfestes.
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Wer war Santa Eulàlia? Barcelonas ursprüngliche Schutzpatronin
Während das riesige La Mercè-Fest im September oft die Reiseführer dominiert, hat Santa Eulàlia einen besonderen Platz im Herzen der Einheimischen. Bevor die Jungfrau der Barmherzigkeit (La Mercè) im 17. Jahrhundert zur Hauptbeschützerin wurde, war Eulàlia die ursprüngliche Schutzheilige der Stadt. Sie wurde im heutigen Stadtteil Sarrià geboren und wird als Symbol für Solidarität und Gerechtigkeit verehrt. Bis heute wacht sie als Mitpatronin über Barcelona. Ihre Präsenz ist in den Gassen des Gotischen Viertels tief verwurzelt.

📝 Bildtext: Die Kathedrale von Barcelona in der Dämmerung.
Die Kathedrale des Heiligen Kreuzes und der Heiligen Eulàlia (La Catedral) ist ihre letzte Ruhestätte und das spirituelle Zentrum ihrer Verehrung. Im Gegensatz zur Sagrada Família, an der noch gebaut wird, ist dieses gotische Meisterwerk seit Jahrhunderten vollendet. Es steht als Zeugnis der mittelalterlichen Geschichte der Stadt. Ein Besuch im Februar ermöglicht den Zugang zu dieser Geschichte ohne die Menschenmassen des Sommers. So lässt sich die Heilige, die Barcelona über ein Jahrtausend lang beschützte, in Ruhe würdigen.
Die Legende von Eulàlia und den dreizehn Qualen
Eulàlias Geschichte handelt von Mut und Tragödie während der römischen Christenverfolgung im Jahr 303 n. Chr. Der Überlieferung nach war sie ein 13-jähriges Mädchen, das sich weigerte, seinen Glauben vor dem römischen Statthalter Dacian zu verleugnen. Zornig über ihren Trotz verurteilte er sie zu dreizehn verschiedenen Qualen – eine für jedes Jahr ihres kurzen Lebens. Diese Strafen sind legendär. Sie reichten von Kerkerhaft bis zum Rollen in einem mit scharfen Gegenständen gefüllten Fass. Die Straße dieses Ereignisses heißt heute noch Baixada de Santa Eulàlia.

📝 Bildtext: Plakat für Barcelonas Festes de Santa Eulàlia 2026, geplant für den 12.–15. Februar.
Die Legende endet mit einem Wunder. Nach den erlittenen Qualen soll ein plötzlicher Schneefall die Stadt bedeckt und ihren Körper weiß eingehüllt haben – ein Symbol ihrer Reinheit. Diese Mischung aus grausamer Geschichte und göttlicher Fügung ist ein Eckpfeiler der lokalen Folklore. Während der Feierlichkeiten im Februar sieht man oft Darstellungen dieser Ereignisse. Auch die Zahl Dreizehn bleibt als Motiv des Gedenkens allgegenwärtig.
Der Kreuzgang der Kathedrale und die 13 weißen Gänse
Eine der charmantesten Ehrungen findet sich im gotischen Kreuzgang der Kathedrale von Barcelona. Hier lebt eine Schar von genau dreizehn weißen Gänsen im zentralen Garten. Dies ist keine zufällige Attraktion, sondern ein lebendiges Denkmal für Eulàlias Alter bei ihrem Märtyrertod. Die Gänse werden hier seit Jahrhunderten gehalten. Ihr lautes Schnattern gilt als schützender Alarm für den heiligen Ort.

📝 Bildtext: Traditioneller Umzug der Gegants (Riesen) in Barcelona – typische Figuren lokaler Feste wie La Mercè.
Der Eintritt zum Kreuzgang ist oft frei oder gegen eine Spende möglich. Er ist eine friedliche Oase zwischen den Steinmauern des Barri Gòtic. Nehmen Sie sich kurz Zeit, die Gänse zu zählen, um sicherzugehen, dass alle dreizehn da sind. Rund um den Teich und die Palmen finden Sie kleine Kapellen mittelalterlicher Zünfte. Doch die Gänse bleiben die unbestrittenen Stars des Kreuzgangs und begeistern Kinder wie Geschichtsinteressierte.
Les Festes de Santa Eulàlia: Das Winterfest
Lokal als „La Lilliput“ oder einfach „Laia“ bekannt, dienen die Festes de Santa Eulàlia als Barcelonas Festa Major d’Hivern (großes Winterfest). Die Feier findet jährlich um den 12. Februar statt und unterscheidet sich deutlich vom internationalen Spektakel der La Mercè im September. Das Fest ist intimer, traditioneller und familiärer. Ein perfekter Zeitpunkt für Reisende, die echte katalanische Kultur erleben wollen. Das Wetter im Februar ist frisch und verlangt warme Kleidung, doch die Straßen sind voller Energie.

📝 Bildtext: Bau eines traditionellen Castells (Menschenturm) während eines Festes auf der Plaça Sant Jaume.
Während des Festivals gibt es zahlreiche Tage der offenen Tür. Museen wie das Historische Museum der Stadt (MUHBA) oder das Schifffahrtsmuseum verzichten auf Eintrittsgebühren. Es ist eine hervorragende Gelegenheit zur Erkundung. Die Atmosphäre ist festlich, aber entspannt. Das Geschehen konzentriert sich auf die Plaça Sant Jaume und die Gassen der Altstadt, wo die historische Bedeutung der Heiligen am stärksten spürbar ist.
Höhepunkte des Festivals: Riesen, Castells und Feuerläufe
Die Feierlichkeiten sind voll von fotogenen katalanischen Traditionen. Ein zentrales Highlight ist der Umzug der „Laias“ – riesige Figuren (Gegantes), die für diesen Anlass Eulàlia repräsentieren und zur Plaça Sant Jaume tanzen. Ein weiteres Muss ist die Diada Castellera. Hier bauen Teams beeindruckende Menschentürme (Castells) vor dem Rathaus. Wenn die jüngsten Mitglieder, die Enxanetas, die Spitze erklimmen, ist das ein atemberaubender Moment, der den Teamgeist des Festivals verkörpert.

📝 Bildtext: Festliche Umzüge mit Pyrotechnik und aufwendigen Wagen in dramatischer nächtlicher Atmosphäre.
Nach Sonnenuntergang wird es feurig beim Correfoc (Feuerlauf). Für Neulinge mag es einschüchternd wirken, wenn der „Drac“ (Drache) und andere Bestien durch Funken und Feuerwerk tanzen. Beim Santa-Eulàlia-Fest gibt es oft einen speziellen Kinder-Correfoc. Dieser ist etwas zahmer als die Version für Erwachsene, aber immer noch spektakulär. Wer aus der ersten Reihe zuschauen möchte: Unbedingt Baumwolkleidung tragen (keine Synthetik) und die Augen vor Funkenflug schützen.
