7 kuriose Londoner Liebesgeschichten - und wo man sie findet
Londons Geschichte ist voller Liebesgeschichten: romantische, tragische und manchmal auch ziemlich seltsame. Wir erzählen Ihnen von sieben unserer liebsten und besuchen die Orte, an denen sie ihre Spuren hinterlassen haben.
8 Min. Lesezeit
1. Tanzen Sie mit Elisabeth I. um einen Baum - Hatton Garden
Versteckt in einer kleinen Gasse nahe Hatton Garden finden wir das Ye Olde Mitre. Dieser winzige Pub ist Schauplatz einer wunderbaren Tudor-Liebesgeschichte.
Einer alten Legende nach tanzte Elisabeth I. hier einst um einen Kirschbaum. Ihr Tanzpartner war Sir Christopher Hatton, einer ihrer absoluten Günstlinge. Ob das wirklich stimmt, lässt sich heute nicht mehr beweisen. Seine enge Verbindung zur Königin und zu diesem Teil Londons ist jedoch historisch belegt.
Hatton war am Hof für seine exzellenten Tanzkünste bekannt und weckte so die Aufmerksamkeit der Königin. Er legte eine steile Karriere hin und brachte es bis zum Lordkanzler. Elisabeth half ihm sogar dabei, einen Teil der riesigen Gärten der Bischöfe von Ely zu erwerben. Genau deshalb heißt das Viertel bis heute Hatton Garden.
Das Ye Olde Mitre bewahrt bis heute die Überreste eines alten Kirschbaums auf. Noch faszinierender ist aber die Geschichte, die sich darum rankt.
Selbst erleben: Besuchen Sie das Ye Olde Mitre im Ely Court 1. Bestellen Sie sich ein Pint und halten Sie Ausschau nach dem alten Kirschbaum. Ein Tanz mit Ihrer Begleitung ist natürlich rein freiwillig.

2. Trinken Sie dort, wo Nell Gwyn dem König auffiel - Theatre Royal Drury Lane
Das Liebesleben von Karl II. lässt moderne Beziehungsdramen ziemlich blass aussehen. Die berühmteste seiner vielen Mätressen war Nell Gwyn - eine Schauspielerin, Komödiantin und ehemalige Orangenverkäuferin.
In den 1660er Jahren wurde Nell zum Star am Theatre Royal Drury Lane. Karl II., ein begeisterter Theatergänger, sah sie dort auf der Bühne, bevor sie schließlich seine Geliebte wurde.
Ihre Beziehung hielt jahrelang und brachte zwei Söhne hervor. Außerdem schaffte Nell etwas, das nur wenigen königlichen Mätressen gelang: Sie blieb beim Volk enorm beliebt.
Das heutige Gebäude ist zwar nicht mehr dasselbe wie zu Nells Zeiten, da das Drury Lane mehrmals neu gebaut wurde. Bemerkenswert ist jedoch, dass an diesem Ort seit 1663 fast durchgehend ein Theatre Royal steht.
Selbst erleben: Sie brauchen dafür keine Theaterkarte. Setzen Sie sich einfach mit einem Drink auf die Terrasse des Theaters und stoßen Sie auf Nell und Karl an - rund 360 Jahre nach ihrem ersten Auftritt vor dem König.

3. Entdecken Sie das Denkmal eines mittelalterlichen Königs für seine Frau - Charing Cross
An einem der belebtesten Orte Londons verbirgt sich eine der bewegendsten Liebesgeschichten der Stadt.
Eduard I. heiratete 1254 Eleonore von Kastilien. Wie meist im Mittelalter begann auch diese königliche Ehe als politisches Arrangement, entwickelte sich aber schnell zu einer bemerkenswert engen Partnerschaft. Die beiden verbrachten einen Großteil ihres Lebens auf gemeinsamen Reisen und bekamen mindestens fünfzehn Kinder.
Als Eleonore 1290 in der Nähe von Lincoln starb, wurde ihr Leichnam in einem langsamen Trauerzug nach Süden zur Westminster Abbey überführt. Eduard gab daraufhin zwölf kunstvolle Steinkreuze in Auftrag. Sie markierten die Orte, an denen der Zug über Nacht Halt gemacht hatte.
Das letzte dieser Kreuze stand in Charing.
Wenige Wochen nach Eleonores Tod beschrieb Eduard sie in einem Brief als die Frau, „die wir im Leben innig schätzten und die wir im Tod nicht aufhören können zu lieben“.
Das ursprüngliche Charing Cross wurde im 17. Jahrhundert zerstört. Das heutige, kunstvolle Kreuz vor dem Bahnhof Charing Cross stammt aus der viktorianischen Zeit und steht etwas abseits des mittelalterlichen Standorts.
Unter der Erde gibt es jedoch noch ein weiteres Denkmal: Die wunderbaren Wandmalereien von David Gentleman im U-Bahnhof Charing Cross zeigen mittelalterliche Handwerker beim Bau des ursprünglichen Eleanor-Kreuzes.
Auf eigene Faust: Suchen Sie das Kreuz vor dem Bahnhof und gehen Sie dann in die U-Bahn, um sich die Wandmalereien anzusehen. Spazieren Sie danach die Villiers Street hinunter zu Gordon's Wine Bar und suchen Sie sich einen Tisch bei Kerzenschein im Weinkeller. Mittelalterliche königliche Trauer, gefolgt von Wein in einem schummrigen Kellergewölbe - ein überraschend gutes Date.

4. Entdecken Sie Londons komplizierteste Ehe - Greyfriars
Nicht jede Liebesgeschichte nimmt ein gutes Ende.
Isabella von Frankreich kam 1308 nach England, um Eduard II. zu heiraten. Die Ehe verschlechterte sich jedoch auf dramatische Weise - nicht zuletzt wegen Eduards intensiven Beziehungen zu Günstlingen wie Piers Gaveston und Hugh Despenser.
Schließlich kehrte Isabella nach Frankreich zurück und begann eine Affäre mit dem exilierten englischen Adligen Roger Mortimer. 1326 fielen die beiden in England ein. Edwards Herrschaft brach zusammen. Er musste abdanken und starb im folgenden Jahr in Berkeley Castle.
Mortimer und Isabella regierten England, bis ihr junger Sohn Edward III. 1330 die Macht ergriff und Mortimer hinrichten ließ.
Der ungewöhnlichste Teil der Geschichte kommt jedoch ganz zum Schluss.
Als Isabella 1358 starb, wurde sie in der großen Franziskanerkirche Greyfriars nahe Newgate beigesetzt. Überlieferungen zufolge trug sie bei der Beerdigung genau den Mantel ihrer Hochzeit mit Edward fünfzig Jahre zuvor - und Edwards einbalsamiertes Herz wurde mit ihr begraben.
Es ist schwer zu sagen, wie man die Beziehung zwischen Isabella und Edward am Ende nennen soll. „Liebesgeschichte“ trifft es wohl nicht ganz. Doch im eigenen Hochzeitskleid begraben zu werden, zusammen mit dem Herzen des Ehemanns, den man einst gestürzt hat - das zeigt, wie komplex diese Ehe wirklich war.
Selbst entdecken: Besuchen Sie den Christchurch Greyfriars Church Garden in der Newgate Street. Das mittelalterliche Kloster ist zwar verschwunden, doch heute liegt hier ein friedlicher Garten. Setzen Sie sich zwischen die Rosen, genau über die Stelle, an der Isabella und andere mittelalterliche Königinnen begraben liegen. Und halten Sie Ihre Begleitung gut fest, falls Isabellas Geist auftaucht!
5. Verlieben Sie sich in den Dichter von nebenan - Keats House, Hampstead
Im Dezember 1818 zog der 23-jährige John Keats in den Wentworth Place in Hampstead. Gleich nebenan wohnte eine junge Frau namens Fanny Brawne.
Die beiden verliebten sich.
Ihre Beziehung lebt in Keats' außergewöhnlichen Briefen an sie weiter - leidenschaftlich, eifersüchtig und manchmal fast fieberhaft intensiv. „Ich liebe dich für immer und ewig und ohne Vorbehalt“, schrieb er in einem davon.
Doch Keats hatte finanzielle Probleme, und bald darauf verschlechterte sich auch seine Gesundheit drastisch. Anfang 1820 erlitt er eine Lungenblutung und war wegen Tuberkulose ans Haus gefesselt. Er und Fanny waren zwar verlobt, doch an eine Heirat war nun nicht mehr zu denken.
Das besonders Grausame daran war, dass Fanny ihm weiterhin unglaublich nah war, da sie direkt nebenan im Wentworth Place lebte. Wegen Keats' Krankheit mussten sie jedoch streng getrennt bleiben. In einem Brief beschreibt er, wie er im vorderen Wohnzimmer saß und nur darauf wartete, einen Blick auf sie im Garten zu erhaschen. In einem anderen warnt er sie wegen der Ansteckungsgefahr davor, ihn an diesem Tag zu besuchen.
Und dann folgt die vielleicht herzzerreißendste Zeile von allen:
„Als du gestern auf dem Heimweg an meinem Fenster vorbeigingst, war ich von so viel Bewunderung erfüllt, als hätte ich dich in diesem Moment zum ersten Mal gesehen.“
Später in jenem Jahr verließ Keats Hampstead in Richtung Italien. Er hoffte, das wärmere Klima würde ihn retten. Doch er kehrte nie zurück. Im Februar 1821 starb er mit nur 25 Jahren in Rom. Fanny blieb seiner Familie eng verbunden. Die Briefe aus ihrer gemeinsamen Zeit sind bis heute im Haus erhalten.
Auf eigene Faust: Besuchen Sie das Keats House und seinen Garten, wo ihre Liebesgeschichte begann. Spazieren Sie anschließend durch Hampstead Heath. Für das volle romantische Erlebnis können Sie sich gegenseitig einen poetischen Liebesbrief schreiben.

6. Zu Gast bei der vierten Hochzeit - St Bartholomew the Great
Londons älteste erhaltene Pfarrkirche hat in fast neun Jahrhunderten unzählige Hochzeiten miterlebt. Doch die berühmteste von allen hat in Wirklichkeit nie stattgefunden.
St Bartholomew the Great in Smithfield war die Kulisse für die vierte Hochzeit in Vier Hochzeiten und ein Todesfall. Der Film aus dem Jahr 1994 machte Hugh Grant zum Inbegriff des romantisch-unbeholfenen Engländers.
Genau hier trifft Charles ein, um mitanzusehen, wie Carrie ihren Hamish heiratet - nur damit die Hochzeit auf dramatische Weise platzt.
Die Kirche selbst ist natürlich viel älter als der Film. Sie wurde 1123 gegründet und ihr außergewöhnlicher normannischer Innenraum macht sie zu einem der stimmungsvollsten Gebäude in ganz London.
Auf eigene Faust: Schauen Sie sich den beeindruckenden normannischen Innenraum von St Bartholomew the Great an. Noch besser: Besuchen Sie eines der regelmäßigen Konzerte in der Kirche. Neun Jahrhunderte nach ihrer Gründung gibt es kaum einen magischeren Ort für Live-Musik.

7. Küssen wie Bridget Jones - Royal Exchange
Zum Schluss treffen wir noch auf Londons große, moderne Single-Heldin.
Am Ende von Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück entdeckt Bridget, dass Mark Darcy ihr Tagebuch gelesen hat und offenbar aus ihrer Wohnung geflohen ist. Mit erstaunlich wenig Kleidung rennt sie ihm in den Schnee hinterher und findet ihn schließlich vor einem Geschäft.
Im Film sieht es so aus, als würde die Szene praktischerweise gleich um die Ecke von Bridgets Wohnung am Borough Market spielen.
Tut sie aber nicht.
Unsere Städte
57Die besten kostenlosen und bezahlten Walking‑Touren
Unternehmen
Rechtliches
