Eine Straße in Krakau wird nach Dawid Kurzmann benannt.
Dank der Initiative unserer Walkative-Guides trägt heute eine Straße in Krakau den Namen von Dawid Kurzmann. Er war der Betreuer des jüdischen Waisenhauses und wurde 1942 zusammen mit den Kindern im Vernichtungslager Bełżec ermordet.
History • 4 Min. Lesezeit
Wir setzen uns schon lange für das Gedenken an die Kinder und Betreuer des jüdischen Waisenhauses im Krakauer Ghetto ein. Mehr darüber kannst du in diesem Artikel lesen. Jetzt ist uns ein weiterer wichtiger Schritt gelungen: Wir konnten den Krakauer Stadtrat davon überzeugen, eine Straße nach Dawid Kurzmann, dem Leiter des Waisenhauses, zu benennen. Hier ist die Geschichte dahinter.
Wer war Dawid Alter Kurzmann?
Dawid Kurzmann (in der Mitte, mit Bart) mit Kindern aus dem jüdischen Waisenhaus in Krakau.
Dawid Alter Kurzmann wurde am 25. Mai 1865 in Rzeszów geboren und am 29. Oktober 1942 im Vernichtungslager Bełżec ermordet. 1887 kam er nach Krakau und lebte mit seiner Familie in der Mostowa-Straße 10. Als erfolgreicher Unternehmer spendete er einen Großteil seines Einkommens für wohltätige Zwecke. Bekannt wurde er vor allem für seine Unterstützung des jüdischen Waisenhauses (Zakład Sierot Żydowskich) in der Dietla-Straße 64. War er anfangs noch ein wichtiger Spender, übernahm er ab 1918 die gesamte Finanzverwaltung. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Waisenhaus zu einem der besten in ganz Polen. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs setzte Kurzmann alles daran, das Waisenhaus und seine Kinder zu retten. Daran änderte sich auch nichts, als die Einrichtung 1941 ins Ghetto umziehen musste. Am 28. Oktober 1942 wurde das Waisenhaus brutal liquidiert. Über 200 Kinder wurden zusammen mit den Betreuern, die sich weigerten, sie im Stich zu lassen, im Vernichtungslager Bełżec ermordet.
Unser Engagement für Dawid Kurzmann und das Waisenhaus
Das Team von Walkative! in Krakau setzt sich seit 2017 für die Ehrung von Dawid Kurzmann ein. Anlässlich unseres 10-jährigen Jubiläums wollten wir uns bei der Stadt Krakau bedanken, die für uns Arbeitsplatz und Leidenschaft zugleich ist. Zuerst erinnerten wir an das Waisenhaus im Ghetto und brachten an seinem letzten Standort in der Józefińska-Straße 41 eine Gedenktafel an. Der nächste Schritt war klar: Wir wollten Dawid Kurzmann, den Betreuer des Waisenhauses, mit einer eigenen Straße in Krakau ehren. Dafür arbeiteten wir mit Grzegorz Siwor zusammen, dem Autor des Buches „Enoszijut. Opowieść o Dawidzie Kurzmannie“, der sich ebenfalls für dieses Ziel einsetzte. Die Guides von Walkative! starteten eine Petition und sammelten Hunderte von Unterschriften. Unterstützung kam auch von der Jüdischen Gemeinde Krakau, dem Jüdischen Museum Galizien und dem Jüdischen Gemeindezentrum (JCC) Krakau. Das Krakauer Rathaus half uns entscheidend bei der Standortsuche. Schließlich stimmte auch der Rat des VIII. Bezirks Dębniki, in dem die Straße liegt, unserem Vorschlag zu.
Alicja Zioło, die Koordinatorin des Projekts, sammelt Unterschriften für die Petition zur Benennung einer Krakauer Straße nach Dawid Kurzmann.
Die Entscheidung
Am 8. Mai 2019 stimmte der Krakauer Stadtrat in einer offiziellen Sitzung dafür, eine neue Straße nach Dawid Kurzmann zu benennen. Rafał Komarewicz vom „Klub Przyjazny Kraków“ stellte die Initiative der Walkative!-Guides im Rat vor. Alle anwesenden Ratsmitglieder unterstützten den Vorschlag.
Die Abstimmungstafel im Stadtrat.
„Dawid Kurzmann war Krakauer, Jude, ein erfolgreicher Geschäftsmann, Lehrer und Betreuer. Die Geschichte zwang ihn zu unvorstellbaren Entscheidungen. Entscheidungen, bei denen es keine Rolle mehr spielte, ob er Krakauer, Jude oder Geschäftsmann war. Heute gedenken wir eines Mannes, der auf diese Entscheidungen genau so reagiert hat, wie es ein guter Mensch tun sollte“, sagte Małgorzata Fus in ihrer Rede vor dem Krakauer Stadtrat.
Małgorzta Fus, Vorstandsmitglied von Walkative!, spricht vor dem Krakauer Stadtrat.
Marcel Kurzmanns Besuch in Krakau
Einige Zeit später, im Jahr 2019, besuchte uns Marcel Kurzmann, Dawids Enkel, in Krakau. Es war uns eine große Freude und Ehre, ihn und seine Söhne zu begleiten und ihnen die Gedenktafel zu zeigen. Gemeinsam besuchten wir auch die Stelle, an der die neue, nach seinem Großvater benannte Straße entstehen soll.
Marcel Kurzmann, Enkel von Dawid Kurzmann, am Standort des Waisenhauses vor der Gedenktafel von Walkative!.
Marcel Kurzmann an der Stelle der zukünftigen Straße, die nach seinem Großvater Dawid Kurzmann benannt wird.
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