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Alle 16 UNESCO-Welterbestätten in Polen. Teil 2: Bergwerke, Parks und Holzarchitektur

Polens UNESCO-Welterbe entdecken: Salzbergwerk Wieliczka, Białowieża-Urwald, Holzkirchen und mehr - Teil 2: Bergwerke, Parks und Kulturerbe.

Culture • History • 9 Min. Lesezeit

Polen war 2019 das 18.-meistbesuchte Land der Welt - mit über 21 Millionen Tourist:innen und knapp vor den Niederlanden. Wer hätte das gedacht? Was zieht Menschen hierher? Auschwitz und die tragische Geschichte des Zweiten Weltkriegs kennt fast jede:r. Doch Polens Kulturerbe reicht weit darüber hinaus. Das zeigen auch 16 Einträge auf der UNESCO-Welterbeliste. Welche sind das - und was macht sie im weltweiten Vergleich so besonders? Tauchen wir ein.

Das ist Teil 2 unseres Artikels - für Teil 1 mit den Einträgen 1-8 hier klicken.

9. Kalwaria Zebrzydowska: der manieristische Architektur- und Parklandschaftskomplex und Pilgerpark (1999)

Dieser Ort ist anders. Keine Stadt - und doch fühlt es sich an, als würde man ins Jerusalem von vor 2000 Jahren versetzt. Rund 40 Minuten von Kraków entfernt liegt ein faszinierender, etwa 400 Jahre alter Barockkomplex in sanften, romantischen Hügeln. Die Anlage bildet geografische Stationen aus der biblischen Geschichte Jesu nach. Man muss nicht religiös sein, um die Schönheit dieses ungewöhnlichen Kunstwerks zu schätzen - ich sage das als Skeptiker. Zwei alte, stimmungsvolle Brücken, mehrere Barockkirchen zwischen Hügeln und Wald, dazu ein paar leicht unheimliche Kapellen. Verbunden ist alles durch grüne Alleen. Das Ganze ist erstaunlich weitläufig.

Den Wegen zu folgen, fühlt sich eher wie eine Schnitzeljagd an als wie eine religiöse Erfahrung. Und noch mehr gehört zu diesem UNESCO-Ort: die Ruinen der mittelalterlichen Burg in Lanckorona, erbaut von Kazimierz Wielki (Casimir the Great). Von ihm haben Sie vielleicht schon auf unseren Touren im Land gehört - besonders in der Krakauer Altstadt und im jüdischen Viertel. Lanckorona selbst ist ein hübscher Ort mit viel Holzarchitektur. Bekannt ist er für die künstlerische, leicht bohemische Atmosphäre rund um den Marktplatz mit seinen hölzernen Bürgerhäusern. Dazu kommen Ausblicke auf die Karpaten, inklusive der Tatra. Und in einem der wenigen Cafés lohnen sich lokale Klassiker: Pierogi, Apfelkuchen oder Pfannkuchen. Nicht zuletzt ist die Gegend auch bei Rennradfahrer:innen sehr beliebt.

Und das alles als einfacher Tagesausflug von Kraków aus.

Brücke über den Fluss Cedron. Quelle: Tomek Darda

10. Friedenskirchen in Jawor und Świdnica (2001)

Die bewegte Geschichte Mitteleuropas zeigt sich in Dolny Śląsk, also Niederschlesien, besonders deutlich. Über die letzten 1000 Jahre prägten tschechische, polnische und deutsche Einflüsse die Region. Im 16. und 17. Jahrhundert war sie Schauplatz großer religiöser Umbrüche: der Reformation und eines der größten und blutigsten Kriege Europas - des Dreißigjährigen Krieges. Er erfasste die meisten mitteleuropäischen Mächte und auch kleinere Staaten. Am Ende stand ein Vertrag, der Protestanten in Schlesien erlaubte, in einer überwiegend katholischen Region drei Holzkirchen zu bauen. So entstanden die Friedenskirchen (Kościoły Pokoju, Friedenskirche) in Jawor (Jauer), Świdnica (Schweidnitz) und Głogów (Glogau). Zwei davon sind bis heute erhalten. Für Holzkirchen sind sie riesig, reich verziert und ohne Metallelemente gebaut. Tatsächlich sind es die größten Sakralbauten aus Holz in Europa. Dass Holzarchitektur so lange überdauert, ist selten (siehe auch unseren Artikel zu den Holzkirchen in den Karpaten weiter unten). Entsprechend werden sie mit moderner Technik besonders geschützt.

Neben ihrem künstlerischen Wert erzählen sie eine größere Geschichte: von Spaltung, Krieg und dem Frieden zwischen nahen Nachbarn. In diesem Sinn sind sie ein Zeichen der Freundschaft - und eine Erinnerung für die Zukunft.

Von Wrocław aus erreichen Sie sie unkompliziert mit einer kurzen Fahrt - auf eigene Faust (am besten mit dem Auto) oder mit einer organisierten Tour.

Kirche in Świdnica. Quelle: Andrzej Otrębski, WikiCommons

11. Holzkirchen in Süd-Małopolska (2003)

Die Holzkirchen der Region Małopolska liegen nur eine relativ kurze Fahrt von Kraków entfernt. Sie finden sie in den Woiwodschaften Małopolskie (Kleinpolen) und Podkarpackie (Vorkarpaten) - also in zwei Regionen. Als Sammlung sind sie in Europa kaum zu vergleichen. Sechs der ältesten Beispiele wurden 2003 in die UNESCO-Liste aufgenommen. In unberührten Teilen der Karpaten gelegen, zeigen diese spätgotischen Holzbauten, wie wichtig der katholische Ritus in der lokalen Volkskultur war.

Zu den bekanntesten gehören die Kirche in Dębno Podhalańskie, nicht weit von Zakopane und der Tatra. Berühmt ist sie für ihre gut erhaltenen, etwa 500 Jahre alten Wandmalereien. Dazu kommt Haczów - die größte mittelalterliche Holzkirche der Welt, datiert auf 1388. Die Kirche in Lipnica Murowana gilt als eine der am besten erhaltenen. Außerdem liegt sie inmitten eines stimmungsvollen, historischen Friedhofs.

Die Kirchen und Tserkvas (siehe Nummer 12 auf unserer Liste) lassen sich besonders gut mit dem Fahrrad erreichen. So können Sie ohne Unterbrechung entlang der Karpaten fahren und Natur wie Kultur genießen. Besonders schön ist der Weg entlang des Dunajec mit seiner bekannten, eindrucksvollen Schlucht. Die Route startet in Zakopane und folgt dem Fluss. Auf rund 200 Kilometern führt sie als sanfte, gut ausgebaute Strecke zu vielen sehenswerten Orten. Bekannt ist sie als Velo Dunajec.

Holzkirche in Binarowa. Quelle: Tomek Darda

12. Muskauer Park / Park Mużakowski (2004)

Park Mużakowski ist einer von zwei grenzüberschreitenden UNESCO-Orten in Polen. Gestaltet wurde er von Fürst Hermann von Pückler-Muskau und seinem Schüler Eduard Petzold. Von Berlin aus ist es nur ein kurzer Ausflug (ja, Berlin liegt wirklich so nah an der polnischen Grenze). Der Park ist nicht nur ein schönes Ensemble aus Park- und Schlossanlage. Er wurde auch zu einem wichtigen Vorbild für die Raum- und Landschaftsplanung, an dem sich neue Gärten und Parks orientierten - besonders in den USA. Entstanden ist er in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damit fällt er in die Zeit der Romantik und an den Beginn des Positivismus - und verbindet beides. Zu den typischen romantischen, stimmungsvollen Blickachsen kommt ein Gedanke, der gut zum Positivismus passt: Der Park sollte offen sein und die lokale Bevölkerung ausdrücklich zum Verweilen einladen. 

Der Park umfasst rund 350 Hektar. Der größte Teil liegt in Polen, getrennt durch die Nysa (Neiße). Da beide Länder zur EU gehören, gibt es keine physische Grenze. Über mehrere Brücken erreichen Sie beide Parkteile problemlos. Die nächsten größeren Städte sind Dresden, Berlin und Wrocław.

Muskauer Park. Quelle: https://www.polskieszlaki.pl/park-muzakowski-unesco.htm

13. Jahrhunderthalle in Wrocław (2006)

Wir bleiben im Westen des Landes und kommen zum einzigen UNESCO-Welterbeort in Wrocław, auch unter dem deutschen Namen Breslau bekannt. Die Stadt ist bekannt für ihre 9 Nobelpreisträger, als Geburtsort des Roten Barons sowie für über 100 Brücken und 21 Inseln. Dazu kommt eine malerische Altstadt mit gotischem Rathaus. Weil vieles zerstört und später wieder aufgebaut wurde, ist es die Jahrhunderthalle, die Wrocławs architektonische Stärke auf der UNESCO-Liste besonders gut zeigt.

Sie wurde zum 100. Jahrestag der preußischen Mobilmachung und des Kampfes gegen Napoleon errichtet. Architektonisch war sie ein Vorläufer vieler großer Konzert- und Veranstaltungshallen weltweit. Geplant wurde sie als Teil eines ganzen Ensembles: mit Schwimmbecken, Pergola und dem Pavillon der Historisch-Künstlerischen Ausstellung, heute als Vier-Kuppeln-Pavillon bekannt. Entworfen wurde das Gesamtprojekt von Max Berg und Hans Poelzig. Die Haupthalle besteht aus Beton, bietet Platz für bis zu 10.000 Besucher:innen und wird bis heute genutzt. Der gesamte Plan ist mit dem nahegelegenen Szczytnicki-Park verzahnt. Für den Anlass wurde dort auch ein japanischer Garten angelegt. Das Jubiläum sollte mit einer großen Ausstellung zur Geschichte und zum wirtschaftlichen Erfolg Schlesiens gefeiert werden.

Heute dienen die Halle und das Umfeld den Menschen in Wrocław als Freizeit- und Veranstaltungsgelände. Gleichzeitig ist es ein beliebtes Ziel für Besucher:innen.

Jahrhunderthalle. Quelle: https://www.wroclawskiportal.pl/hala-stulecia-we-wroclawiu/

14. Hölzerne Tserkvas der Karpatenregion in Polen und der Ukraine (2013)

Durch die Lage an der Grenze zwischen lateinischen und griechischen christlichen Einflüssen im frühen Mittelalter sind Ost- und Südpolen von orthodoxer Architektur geprägt. Besonders sichtbar wird das in den hölzernen Tserkvas (cerkwie auf Polnisch) - Gottesdienstorten polnischer, ruthenischer und walachischer orthodoxer Gemeinschaften.

In abgelegenen Tälern der Karpaten, im Grenzraum zwischen Polen, der Slowakei und der Ukraine, gibt es noch Hunderte dieser Holzwunder. 16 besonders repräsentative und alte wurden 2013 in die UNESCO-Liste aufgenommen - 8 in Polen und 8 in der Ukraine. Anders als die älteren katholischen Kirchen aus Nummer 10 dieser Liste entstanden die Tserkvas meist zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert. Für westliche Augen wirken sie oft noch exotischer. Hohe Türme mit zwiebelförmigen Kuppeln prägen die kleinen Gebetshäuser. Traditionell gibt es getrennte Bereiche: einen für Priester, einen für Männer und einen für Frauen.

Weil dieser Punkt für mich persönlich der wichtigste im Artikel ist, möchte ich Sie besonders zu drei der schönsten und geheimnisvollsten Tserkvas ermutigen: Kwiatoń, Radruż und Chotyniec. Achten Sie auf die unterschiedlichen Baustile. Die erste mit hohem Turm und schlanken Proportionen. Die zweite - die älteste der drei - mit eher quadratischer Form und Friedhof rundherum. Die dritte mit großen Kuppeln über den Gebetsräumen. Zusammen ergibt das ein melancholisches Bild der Vorkriegszeit, als in dieser Region verschiedene ethnische und religiöse Gruppen zusammenlebten. Spuren davon gibt es noch, aber in viel kleinerem Maßstab. Viele orthodoxe Kirchen wurden inzwischen für katholische Gemeinden umgenutzt.

Tserkva in Kwiatoń. Quelle: Tomek Darda

15. Blei-Silber-Zink-Mine Tarnowskie Góry und ihr unterirdisches Wassermanagementsystem (2017)

Noch eine der besonderen Bergbauanlagen Polens: Tarnowskie Góry liegt etwa 20 Kilometer von Katowice entfernt und weniger als 100 Kilometer von Kraków. Hier erwartet Sie ein weitläufiges System aus Stollen und Hohlräumen - mit einem ausgeklügelten Wassermanagement. Über mehr als 300 Jahre, vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, wurde es entwickelt. Später wurde es zu einem wegweisenden Ingenieurprojekt, das die Region mit Wasser versorgte.

Neben dem besonderen Wassersystem gehörten die Minen zu den weltweit größten Produzenten von Zink und Blei.

16. Prähistorische Streifenfeuerstein-Bergbauregion Krzemionki (2019)

Diese Bergbauregion liegt in der Gegend Świętokrzyskie (Heiligkreuz). Sie steht für deutlich ältere menschliche Aktivität. Und sie könnte - wegen ihrer Bedeutung für die Geschichte der Menschheit - sogar der wichtigste polnische Eintrag auf der Liste sein.

Der Ort stammt aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit (etwa 3900 bis 1600 v. Chr.). Er umfasst eine der größten Feuerstein-Abbaustätten der Geschichte. Aus Feuerstein wurden Äxte hergestellt. Diese halfen den Menschen wiederum bei der Beschaffung von Nahrung und beim Bau von Unterkünften.

Krzemionki-Minen. Quelle: Jakub Hałun, Wiki Commons

Das sind einige der repräsentativsten Sehenswürdigkeiten Polens. Das heißt nicht, dass es keine anderen gibt. Aber als Einstieg ist diese Liste eine gute Orientierung. Stöbern Sie gern in unserem Blog und auf der Website - dort finden Sie noch mehr Ideen für eine gelungene Reise nach Polen.

Tomek Darda

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