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Ostern in Krakau - diese Bräuche und Traditionen sollten Sie kennen.

Erleben Sie Ostern in Krakau und lernen Sie mit unserem Guide die einzigartigen polnischen Traditionen und Bräuche der Feiertage kennen.

Culture • History • 8 Min. Lesezeit

In Krakau wird Ostern auf ganz besondere Weise gefeiert. Viele Bräuche sind jahrhundertealt. Manche sind sogar älter als das Osterfest selbst und gehen auf heidnisch-slawische Zeiten zurück. Tauchen wir gemeinsam ein in die Ostertraditionen in Krakau und Umgebung - einige sind geheimnisvoll, andere schaurig, und wieder andere einfach nur lustig.

Ostern in Krakau, Palmen auf dem Hauptmarkt. 

Bruderschaft vom Guten Tod - eine schaurige Prozession in der Franziskanerkirche

Starten wir mit dem wohl ernsthaftesten Brauch rund um den Karfreitag. Er ist ein sehr wichtiger, aber auch der traurigste Tag der Osterzeit. An diesem Tag verstummen die Glocken an den Altären. In der katholischen Tradition erinnert man an den Tod Jesu am Kreuz - und es ist eine Zeit der Buße und des Nachdenkens über den Tod.

An Karfreitag lohnt sich ein Besuch in der Franziskanerkirche. Für Gläubige aus religiösen Gründen, aber auch für alle, die eine der spannendsten Krakauer Traditionen mit jahrhundertealten Wurzeln erleben möchten: die Prozession der Erzbruderschaft von der Passion. Ihr Hauptsitz ist die Passionskapelle in der Krakauer Franziskanerkirche.

Schwarze Gewänder, Kapuzen und Totenköpfe erinnern an die Vergänglichkeit des Lebens. Dazu passt auch der Satz, den sie während der Liturgie mehrfach wiederholen: MEMENTO HOMINEM MORI - Bedenke, Mensch, dass du sterben musst.

Trotz ihrer furchteinflößenden Kutten erwiesen sich die Mitglieder der Erzbruderschaft vom Guten Tod über die Jahrhunderte als große Wohltäter. Sie gaben Almosen, besuchten Gefangene und kauften sogar Häftlinge frei, die wegen Schulden im Gefängnis saßen. Ein ganz besonderes Privileg war das „Geschenk des Lebens“ am Karfreitag: Die Erzbruderschaft durfte einen zum Tode Verurteilten begnadigen. In ihren rituellen Gewändern stiegen die Mitglieder in den Keller des Rathauses und öffneten die Tore der Todeszelle. Der Begnadigte trat der Bruderschaft bei und stand für den Rest seines Lebens unter ihrem Schutz. Auch Bürger und Adlige schlossen sich an - ihre Kapuzen sicherten dabei die Anonymität. Später schränkten jedoch erst die Österreicher und dann die Kommunisten die Privilegien der Bruderschaft ein. Heute beschränkt sich ihre öffentliche Tätigkeit auf die Fastenzeit und die Teilnahme an der Liturgie. Sie ist nicht die einzige religiöse Bruderschaft in Krakau, aber zweifellos die berühmteste und... die malerischste. 

Die Prozession der Bruderschaft vom Leiden Christi, eine Krakauer Ostertradition. Illustration von Jan Matejko.

Emaus - der berühmteste Jahrmarkt in Krakau

Wie Sie vielleicht schon aus unserem Artikel über polnische Ostertraditionen wissen (falls nicht, finden Sie ihn hier), bedeutet der Ostersonntag in Polen vor allem eines: ESSEN. Und zwar reichlich! Nach der langen Fastenzeit ist das auch verständlich, aber nach so einem Festmahl ist ein Spaziergang dringend nötig. Und genau damit sind wir bei einer der bekanntesten Krakauer Ostertraditionen.

Emaus ist ein Jahrmarkt, der seit Jahrhunderten in Krakau stattfindet. Er wird im malerischen Stadtteil Zwierzyniec abgehalten, direkt beim mittelalterlichen Norbertinerinnenkloster. Historiker datieren seine Anfänge auf das 12. Jahrhundert. Der Name geht auf ein biblisches Dorf zurück, in das die Jünger Christi am Tag der Auferstehung unterwegs waren. Der Jahrmarkt findet in der Emaus-Straße statt. Im 19. Jahrhundert wurde er besonders beliebt und galt als großer, festlicher Spaziergang für die Krakauer Gesellschaft. Rund um das Kloster laden schöne Wege zum Spazieren ein, etwa im Wolski-Wald oder hinauf zum Kościuszko-Hügel. Man nutzte die Gelegenheit, neue Kleider und Frisuren zu zeigen, Freunde zu treffen und Neuigkeiten auszutauschen. Mit der Zeit wurde daraus ein volkstümlicher Jahrmarkt.

Emaus - Ostermarkt in Krakau.

Bis heute findet der Jahrmarkt am Ostermontag statt. Angeboten werden vor allem traditionelles Spielzeug, Süßigkeiten, Honig und Schmuck. Dazu kommen ein paar Besonderheiten, die seit jeher eng mit Emaus verbunden sind. Die erste ist der „Lebensbaum“. Er deutet darauf hin, dass das Fest möglicherweise auf eine slawisch-heidnische Tradition zurückgeht, die weit älter ist als das christliche Osterfest. In slawischer Zeit verehrte man Bäume als heilige Objekte. Man glaubte, dass im Frühling die Seelen der Verstorbenen auf die Erde zurückkehrten und sich als Vögel in die Äste setzten. Der „Lebensbaum“ wurde zum typischen Souvenir vom Emaus-Markt. Er steht für Frühling, Lebenskraft, Freude und Hoffnung. Heute gibt es sogar einen Wettbewerb um den schönsten Baum.

Ein weiterer Artikel, der auf dem Emaus-Markt verkauft wird, ist allerdings problematisch und umstritten. Gemeint ist die Figur eines Juden in traditioneller Kleidung, die dem Käufer Glück bringen soll. Mehr über diese Tradition erfahren Sie hier: http://www.luckyjews.com/ Die Webseite gehört zu einer Ausstellung und einem Buch des Ethnographischen Museums in Krakau, die sich mit diesem komplexen Thema befassen.

Unser Guide Maciek, verkleidet als Siuda Baba.

Rękawka - mittelalterliches Brauchtum mitten in Krakau

Am Dienstag direkt nach Ostern feiert Krakau das berühmte Rękawka-Fest.

Um die Ursprünge des Festes zu verstehen, reisen wir zurück in die Zeit der alten Slawen. Unsere slawischen Vorfahren feierten zweimal im Jahr die sogenannten Dziady. Mit diesen Festen wollte man eine Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten schaffen. Die Slawen glaubten, dass die Seelen der Verstorbenen über die Fruchtbarkeit wachten, weshalb eine gute Beziehung zu den Ahnen sehr wichtig war. Dazu gab es Rituale, die zweimal im Jahr stattfanden: im Frühling und im Herbst. Man glaubte, dass die Seelen aus dem Jenseits zurückkehrten. Um ihre Gunst zu gewinnen, bereitete man ihnen einen gebührenden Empfang. Man feierte Feste mit aufwendigen Speisen und Getränken und zündete Lichter an, um den Seelen den Weg aus dem Jenseits zu ihren Familien zu weisen. 

Das Rękawka-Fest knüpft an diese alte Tradition an. Es findet an der vermuteten Grabstätte des legendären Stadtgründers statt: dem mythischen Drachentöter König Krak. Einer Legende nach trugen die Menschen die Erde in ihren Ärmeln zusammen, um den Hügel zu seinem Gedenken aufzuschütten. Das polnische Wort für Ärmel ist „rękaw“ - daher der Name des Festes und des Hügels selbst: Rękawka. 

Der Krakus-Hügel während des Rękawka-Festes. Quelle: Wikimedia Commons.

Früher, während des Dziady-Festes, warfen die Wohlhabenden Eier - als Symbol für neues Leben -, Brot, Äpfel, Lebkuchen und Geld vom Gipfel des Hügels. Am Fuße des Hügels wartete eine erwartungsvolle Menge darauf, die Gaben aufzufangen. Dieser alte slawische Brauch lebte weiter und vermischte sich mit der Zeit mit christlichen Traditionen. Bis heute hat er in Form eines Jahrmarkts und Volksfestes überlebt. Heute wirft natürlich niemand mehr Essen vom Hügel herab. Stattdessen gibt es Vorführungen von Gruppen, die das mittelalterliche Ritterleben mit Kostümen, Bräuchen und Schaukämpfen nachstellen. Wer Lust hat, kann sich auch im Bogenschießen oder Speerwerfen versuchen. 

Wenn Sie sich für das Mittelalter begeistern, sind Sie hier in Krakau genau richtig!

Mittelalterlicher Rękawka-Jahrmarkt in Krakau. Quelle: Wikimedia Commons.

Pucheroki

Der Name Pucheroki leitet sich vom polnisch-lateinischen Ausdruck „na pueri“ ab, was so viel wie „für die Jungen“ bedeutet. Der Brauch geht auf arme Studenten zurück - damals natürlich nur Jungen -, die auf diese Weise Geld sammelten. Sie zogen um die Krakauer Kirchen und sangen dafür ein paar alberne Lieder. Das örtliche Bistum verbot die Tradition im Jahr 1780. Ganz verschwunden ist sie jedoch nicht.

Ende des 19. Jahrhunderts ließen Jungen aus den umliegenden Krakauer Dörfern Bibice, Tomaszowice, Trojanowice, Modlnica und Zielonki diesen Brauch wieder aufleben. Und er wird bis heute gepflegt: Am Ostersonntag ziehen Gruppen von Jungen durch diese Dörfer. Sie tragen mit der Innenseite nach außen gekehrte Kleidung aus Leder und Schaffell sowie lange, spitze Hüte aus Heu, Pappe und buntem Seidenpapier. Ihre Gesichter sind oft mit Ruß geschwärzt und sie haben Körbe dabei. Sie singen Osterlieder, die von ihrem beschwerlichen Studentenleben als „zocek“ erzählen („zocek“ ist die volkstümliche Aussprache von „żaczek“, einem alten Wort für Student). Wer sie hereinlässt, gibt ihnen Gaben mit, meist Eier und andere Lebensmittel. Der Brauch ähnelt dem winterlichen Sternsingen, auf Polnisch kolędowanie oder koledari. Dabei ziehen festlich gekleidete Jugendliche singend durchs Dorf und sammeln Geschenke und Geld. So wurde aus einer alten Studententradition ein einzigartiger Volksbrauch.

Aufstieg zum Osterhügel

Zum Schluss haben wir noch einen besonderen Tipp für Sie. In Tyniec, etwa 10 Kilometer südöstlich des Krakauer Hauptmarktes, gibt es einen Hügel namens Wzgórze Wielkanoc - den Osterhügel. Tyniec ist heute ein Stadtteil von Krakau (offiziell seit 1973), war aber früher ein eigenständiges Dorf. Hier steht auch die älteste mittelalterliche Abtei Polens, über die wir an anderer Stelle noch berichten werden. Warum dieser Name? Ob Sie es glauben oder nicht: Wenn Sie am Ostersonntag im Dorfzentrum von Tyniec an der Hauptkreuzung (zwischen den Straßen Benedyktyńska, Bogucianka und Bolesława Śmiałego) stehen, sehen Sie die Sonne genau über dem Osterhügel aufgehen. Leider ist der Hügel heute - anders als früher - ziemlich zugewachsen, sodass das Schauspiel nicht mehr gut zu beobachten ist. Trotzdem sind der Hügel und die umliegende Natur ein wunderbarer, abgeschiedener Ort für eine kleine Wanderung mit einem Picknick auf dem Gipfel. Da der Ort nicht sehr bekannt ist, trifft man kaum auf andere Besucher, was die besondere Atmosphäre noch unterstreicht.

Osterhügel in Krakau. Quelle: Wikimedia Commons.

Für alle Frühaufsteher haben wir einen besonderen Tipp für die Osterfeiertage in Krakau. Am besten gleich, nachdem Sie sich eine Brezelkette umgehängt, Eier von einem Hügel geworfen und das Gesicht mit Ruß beschmiert haben! Viel Spaß!

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