Walkative! gedenkt des Waisenhauses im Ghetto - 75 Jahre nach der brutalen Liquidierung
Anlässlich des 75. Jahrestages der Liquidierung des Waisenhauses im Krakauer Ghetto gedenkt Walkative mit einer besonderen Stadtführung der Kinder.
History • 3 Min. Lesezeit
Gedenktafel für das Waisenhaus im Krakauer Ghetto, gestiftet von Walkative.
2017 feierte Walkative! sein zehnjähriges Jubiläum. Uns war schnell klar: Das möchten wir mit etwas Sinnvollem für die Stadt begehen, durch die wir führen und die wir lieben. Nach vielen Gesprächen entschieden wir uns, an das Waisenhaus im Krakauer Ghetto zu erinnern. Die Geschichte der jüdischen Kinder und ihrer Betreuerinnen und Betreuer erzählen wir auch auf unserer regulären Jewish Krakow Tour (mehr zur Tour können Sie hier nachlesen). Sie berührt unsere Gäste jedes Mal. Und auch für uns wurde diese Geschichte über die Jahre immer wichtiger. Das Gebäude des Waisenhauses, aus dem die Kinder während der Deportation im Oktober 1942 in den Tod geschickt wurden, existiert heute leider nicht mehr. Deshalb haben wir die Finanzierung einer Gedenktafel übernommen - zum Andenken an die Kinder und die Mitarbeitenden des Instituts für jüdische Waisen.
Das Walkative!-Team aus Kraków am Standort des Waisenhauses.
Ein wenig Geschichte - das Ghetto in Podgórze
Während des Zweiten Weltkriegs richteten die deutschen Behörden im Gebiet des Krakauer Stadtteils Podgórze einen „jüdischen Wohnbezirk“ ein - so wurde das Ghetto beschönigend genannt. Hier, in der ul. Józefińska 41, befand sich in einem kleinen, vermutlich eingeschossigen Gebäude das Institut für jüdische Waisen. Am 28. Oktober 1942 wurden bei einer brutalen Deportation rund 200 Kinder und ihre Betreuerinnen und Betreuer aus dem Waisenhaus geholt. Die Erwachsenen entschieden sich, das Angebot der Deutschen nicht anzunehmen, die Kinder zurückzulassen und im Ghetto zu bleiben. Zu denen, die bei den Kindern blieben, gehörten unter anderem der langjährige Betreuer des Instituts für jüdische Waisen in Kraków, Dawid Kurzmann, sowie die Leiterin Anna Feuerstein. Sie wurden zusammen mit ihren Schützlingen im Vernichtungslager Bełżec ermordet.
In den Nachkriegsjahren wurde die Kreuzung Na Zjeździe, Józefińska und Limanowskiego umgebaut. Dabei riss man das Gebäude ab, in dem früher das Waisenhaus untergebracht war. Heute erinnert nichts mehr daran. In den letzten Jahren hat man viele Häuser in der Umgebung markiert und beschrieben. Informationstafeln zeigen, welche Einrichtungen dort zur Zeit des Ghettos tätig waren. Das Waisenhausgebäude gibt es nicht mehr und wurde deshalb bisher nicht gewürdigt. Das wollten wir ändern.
Gedenken an das Waisenhaus im Krakauer Ghetto
Im Sommer 2017 führten die Guides von Krakow Walkative! polnischsprachige Touren durch. Alle Einnahmen flossen in unser Ziel: eine Gedenktafel für das Waisenhaus im Krakauer Ghetto zu finanzieren. Dank des Einsatzes des ganzen Teams haben wir das geschafft. Unterstützung kam auch von Mitgliedern der Anti-Defamation League.
Enthüllungszeremonie.
Den Bereich rund um die Tafel hat die Krakauer Stadtgrünverwaltung sehr schön gestaltet. Am 29. Oktober 2017 wurde die Gedenktafel offiziell enthüllt. Bei der Zeremonie pflanzten wir gemeinsam mit den Anwesenden am Ort des ehemaligen Gebäudes Blumen - gelbe Krokuszwiebeln. Damit schlossen wir uns dem Krokus Project an, das in Polen vom Galicia Jewish Museum koordiniert wird. Die Teilnehmenden, vor allem junge Menschen, setzen gelbe Krokuszwiebeln. Wenn sie im Frühling blühen, sollen sie an jüdische Kinder erinnern, die während des Holocaust ermordet wurden. Weltweit beteiligen sich Tausende an dem Projekt. Wir möchten weiter pflanzen und hoffen, dass eines Tages im Frühling die ganze Fläche des ehemaligen Gebäudes von gelben Blüten bedeckt ist.
Damit war unser Gedenken an das Waisenhaus noch nicht abgeschlossen. Auch kurz darauf konnten wir erreichen, dass eine Straße in Krakau nach Dawid Kurzmann benannt wurde. Mehr dazu lesen Sie in diesem Artikel.

Krokusse am Standort des Waisenhauses pflanzen.
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