Met in Polen: Ein wenig Geschichte und Tipps, welche Sorte sich lohnt.
Entdecken Sie den polnischen Met - von der Piasten-Dynastie bis zu modernen Sorten wie dem Półtorak. Wir erklären die feinen Unterschiede und verraten Ihnen, welchen Honigwein Sie in Polen unbedingt probieren sollten.
Practical Tips • History • 6 Min. Lesezeit
Heute geht es um polnischen Met. Woran denken Sie als Erstes, wenn Sie das Wort „Met“ hören? An eine Gruppe großer, muskulöser Wikinger, die in einer Halle an einer langen Holztafel sitzen und aus Trinkhörnern zechen? Dieses Bild ist zwar populär, aber nur die halbe Wahrheit. Denn die Wikinger haben sich durch geschicktes Marketing ein Getränk zu eigen gemacht, das zu den ältesten alkoholischen Getränken der Menschheit gehört!
Met – ein Blick in die Geschichte
Aber fangen wir von vorne an: Was genau ist Met? Ganz einfach gesagt ist es ein alkoholisches Getränk aus vergorenem Honig und Wasser. Klingt simpel? Wahrscheinlich wurde Met genau deshalb so früh entdeckt - durch eine zufällige Gärung in der Natur. Der älteste archäologische Fund stammt aus Nordchina und ist rund 9.000 Jahre alt. Die älteste schriftliche Erwähnung finden wir in der indischen Rigveda. In diesem über 3.000 Jahre alten Werk ist von einer berauschenden Substanz namens „Soma“ die Rede, bei der es sich vermutlich um Met handelt. Auch Ambrosia, das Getränk der griechischen Götter, könnte Met gewesen sein. Sogar der englische Begriff „Honeymoon“ für die Flitterwochen soll aus dem alten Mesopotamien stammen. Dort versorgte die Familie des Bräutigams das frisch vermählte Paar einen Monat lang mit Met, dem man eine aphrodisierende Wirkung nachsagte. Der „Mond“ im Namen bezieht sich dabei auf den Mondkalender.
Polnischer Met - die sagenhaften Anfänge
Eines ist sicher: In fast allen indoeuropäischen Sprachen klingt das Wort für Met sehr ähnlich. Das englische „mead“ zum Beispiel ist vom polnischen „miód“ (ausgesprochen „mjut“) kaum zu unterscheiden. Klingt ähnlich, oder? Kein Wunder also, dass Met in der gesamten euro-asiatischen Welt bekannt ist – von Indien über den Kaukasus bis zu den Kelten, Römern und Germanen. Damit wären wir wieder bei den berühmten Wikingern. Aber welche Rolle spielt Polen dabei? Auch die Slawen schätzten Met sehr, allen voran die Stämme, aus denen später die Polen hervorgingen. Met war sogar so wichtig, dass er eine zentrale Rolle in der Gründungslegende der ersten polnischen Herrscherdynastie spielt. Die Legende erzählt von einem armen Bauern namens Piast, der die Mündigkeitsfeier seines Sohnes vorbereitete. Doch für eine Feier reichten die Vorräte bei Weitem nicht, denn die Familie hatte selbst kaum genug zum Leben. Als dann zwei Wanderer anklopften, die der örtliche Fürst gerade noch fortgeschickt hatte, lud Piast sie trotzdem zu sich ein. Er teilte mit ihnen das Wenige, was er an Essen und … Met! - hatte. Wie sich herausstellte, waren die Fremden in Wahrheit Heilige. Sie vermehrten Speisen und Met, sodass Piast doch noch alle einladen konnte. Es war genug Met für alle da! Daraufhin ernannte der Stamm den großzügigen Piast anstelle des grausamen Herrschers zu seinem neuen Fürsten. Und so nennen wir die erste polnische Dynastie bis heute die Piasten.
Korneli Szlegel „Pilger zu Besuch bei Piast“
Die Entwicklung des Met-Trinkens in Polen
Doch lassen wir die Legenden beiseite: Wir wissen, dass schon die Piasten den Met sehr schätzten. Das galt für Mieszko I., unter dem Polen getauft wurde, bis hin zum letzten Piasten, Kasimir dem Großen. In der ersten schriftlichen Überlieferung über Mieszko I. heißt es, sein Land sei reich an „Wild, Weizen, Fisch und Met“. Mit der Christianisierung Polens im Jahr 966 kam zwar auch der Wein ins Land, doch das polnische Klima eignet sich nur bedingt für den Weinanbau. Während der Wein den Met im Mittelmeerraum also schon in der Antike verdrängte, dauerte dieser Prozess in Polen deutlich länger. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde Met sogar zu einem polnischen Exportschlager. Allerdings war er kein Alltagsgetränk, sondern wurde nur zu besonderen Anlässen aus dem Keller geholt. Nur die reichsten Adligen konnten es sich leisten, ihn regelmäßig zu trinken. Sein Niedergang begann im 17. Jahrhundert durch Kriege, die allgemeine Verarmung und die wachsende Konkurrenz durch importierten Wein und stärkere Spirituosen. Ende des 18. Jahrhunderts wurde Met kaum noch getrunken. Als Polen in der Zwischenkriegszeit seine Unabhängigkeit wiedererlangte, gab es Versuche, die alte Tradition wiederzubeleben. Der Zweite Weltkrieg setzte dem jedoch ein jähes Ende. Auch die Zeit des Kommunismus war für ein als „aristokratisch“ geltendes Getränk nicht förderlich. Ganz in Vergessenheit geriet der Met aber nicht - er tauchte sogar in einem Zeichentrickfilm für Kinder auf! Wenn Sie schon einmal in Krakau waren, kennen Sie sicher die Legende vom Wawel-Drachen und seine Statue. (Falls nicht, buchen Sie am besten sofort Ihre Tour!) Es gibt aber auch eine andere Version der Geschichte: In dieser ist der Drache ein wahrer Gentleman, der dem Stadtgründer Fürst Krak bei dessen Besuch in seiner Höhle Met serviert! Das könnte daran liegen, dass Krakau damals eine von nur vier Städten in Polen war, die noch eine „Miodosytnia“, also eine Met-Brauerei, besaß.
Bei den Festen des polnischen Adels durfte Met nicht fehlen.
Polnischer Met heute
Seit einiger Zeit entdecken immer mehr Menschen alte Rezepte und vergessene Getränke wieder. Eine gute Nachricht für Met. Polen verbinden viele noch mit Wodka (mehr über polnischen Wodka erfahren Sie in diesem Artikel), aber das Bild ändert sich langsam. Moderne Met-Hersteller legen los: Sie holen jahrhundertealte Rezepte zurück und probieren gleichzeitig Neues aus. Wenn Sie in Polen Met probieren möchten, brauchen Sie etwas Geduld, denn er steht noch nicht überall auf der Karte. Achten Sie dann auf die Sorte. Meist haben Sie drei zur Auswahl: Półtorak, Dwójniak und Trójniak. Die Namen lassen sich grob als „Eineinhalber“, „Zweifacher“ und „Dreifacher“ übersetzen. Gemeint ist das Verhältnis von Wasser zu Honig. Półtorak ist am stärksten und am süßesten (1,5-fache Menge Wasser auf die Menge Honig). Trójniak ist am trockensten und hat den geringsten Alkoholgehalt (3-fache Menge Wasser auf die Menge Honig). Egal, wofür Sie sich entscheiden: Mit 12-18 % liegt der Alkoholgehalt im typischen Weinbereich. Zum Schluss lohnt sich ein Blick darauf, ob der Met pur ist oder Zusätze hat. Früher kamen oft Kräuter dazu (darunter Hopfen, der später beim Bier berühmt wurde) oder Früchte. Heute sind vor allem Fruchtextrakte beliebt. Am besten trinkt man Met bei Zimmertemperatur. Im Winter schmeckt er aber auch warm und mit Gewürzen - ähnlich wie Glühwein. Und egal, welche Sorte oder Stärke Sie wählen, eines gilt immer: Wenn Sie in Polen sind, probieren Sie Met! Genießen Sie den süßen Geschmack und fühlen Sie sich wie ein polnischer Adliger aus alten Zeiten.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat und Sie mehr über polnische Trinktraditionen erfahren möchten, schauen Sie sich unsere Touren an: Food and Vodka of Krakow und Beers of Krakow.
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