Polnischer Wodka: Was und wie man in Polen trinkt.
Guide zum polnischen Wodka: Trinkkultur, die besten Sorten und wie man richtig bestellt.
Food • 7 Min. Lesezeit
Willkommen zu unserem kleinen Guide über polnischen Wodka – und wie man ihn am besten trinkt. Wenn du mehr über das polnische Nationalgetränk aus historischer Sicht erfahren willst, klick hier.
Wodka pur – die beliebtesten Marken und wie man ihn richtig pur trinkt
Die bekanntesten industriell hergestellten Marken, die du fast überall im Laden und in vielen Bars findest, sind Absolwent, Soplica, Bols, Wyborowa, Żytnia (Weizen) und Luksusowa (Kartoffel). Wenn du zufällig zu einer polnischen Hochzeit eingeladen bist, stehen die Chancen gut, dass eine davon ausgeschenkt wird (übrigens: Schau dir auch unseren kurzen Artikel an, wie man eine polnische Hochzeit übersteht). Klar kannst du sie pur aus dem Shotglas trinken. Heute wird Wodka aber oft mit Saft (meist Orange oder Apfel) oder Softdrinks gemischt. Das empfehlen wir nicht – in Polen ist das eher ein neuerer Trend. Richtig populär wurde er nach dem Ende des Kommunismus und verbreitete sich in den 90ern, als Polen sich schnell „verwestlichen“ wollte. Der beste Beweis: Das Wort, das wir für Cocktail benutzen. Es ist … „drink“! Also Vorsicht, wenn du in Polen auf Englisch beim Kellner nach einem „drink“ fragst – am Ende bekommst du vielleicht mehr, als du eigentlich wolltest 😉
Unser Tipp: lieber klassisch. Ein Shot Wodka – und dazu eine „zagryzka“, wörtlich ein „Nachbiss“. Vier zagryzkas sind dabei besonders wichtig (mehr dazu findest du in unserem Artikel über polnisches traditionelles Essen):
- marinierter Hering in Öl oder Sahne,
- kiełbasa (Wurst)
- eingelegte Gurke,
- Brot mit Schmalz.
Polnischer Wodka, kiełbasa und Brot – Dinge, ohne die Polen dem Klischee nach nicht leben können
Zu kommunistischen Zeiten gab es eigene, einfache Bars. Dort gab’s schlichtes Essen – darunter die oben erwähnten Zagryzkas – und Wodka. Seit rund 15 Jahren sind solche Lokale wieder angesagt: Man baut sie nach, und in größeren Städten gehören sie inzwischen fest zur Ausgeh-Szene. Die bekannteste Kette heißt „Pijalnia Wódki i Piwa“. Daneben gibt es viele unabhängige Adressen, in denen man wieder so trinken kann wie früher. Wenn du mehr darüber erfahren willst und lieber in Gesellschaft unterwegs bist, buche unsere Tour hier.
Polnische Wodka-Bar in Poznań
Ein paar anspruchsvollere Marken polnischen Wodkas
Es gibt ein paar Marken, nach denen du Ausschau halten kannst. Sie sind nicht besonders verbreitet – entweder wegen des Preises oder wegen historischer Umbrüche.
- Chopin Black gehört zu den luxuriösesten polnischen Kartoffelwodkas (und zu den meistprämierten Kartoffelwodkas weltweit). Entsprechend hoch ist der Preis. Für Kenner oder als hochwertiges Geschenk.
- Młody Ziemniak (Young Potato) legt bei der Exklusivität noch eine Schippe drauf. Er wird aus jungen Frühkartoffeln hergestellt und nur einmal destilliert (üblich sind drei bis vier Durchgänge). Jeder Jahrgang ist anders. Das zeigen die handbeschrifteten Etiketten mit Angaben zu Ernteort und -zeit, den Wetterbedingungen des jeweiligen Jahres und der Unterschrift der verantwortlichen Person. Damit ist er nicht nur ein besonderes Geschenk, sondern auch eine Art Investment: Der Preis einer Flasche steigt mit jedem Jahr, in dem sie reift.
- J.A. Baczewski zählt zu den ersten Marken polnischen Wodkas. Gegründet wurde sie 1782 in Lwów (heute Lviv in der Ukraine). Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Unternehmen äußerst erfolgreich – unter anderem als einer der ersten mit moderner Werbung und auffälligen Flaschen. Zerstört wurde es sowohl durch Nazi-Deutschland (die Fabrikgebäude wurden bombardiert) als auch durch die Sowjetunion (die letzten beiden Eigentümer wurden hingerichtet). Zum Glück überlebte ein Zweig der Familie und ließ sich in Wien nieder. Dort nahm man die Produktion wieder auf – dank auf wundersame Weise wiederbeschaffter Rezepte. Bis heute wird in Wien produziert. In Polen ist die Marke wieder erhältlich und findet langsam zurück zu ihrem früheren Platz unter den polnischen Wodkas.
Polnischer Wodka mit Geschmack – ein paar Empfehlungen
Bevor wir ins Detail gehen, noch ein Begriff, der hier unbedingt dazugehört: Nalewka. Am ehesten ist das ein Likör – ein aromatisiertes Getränk, das entweder durch Infusion entsteht (die gewünschte Zutat wird in Alkohol eingelegt) oder durch Mazeration (die Zutat wird geschnitten oder zerdrückt und dann in Alkohol angesetzt; daher auch der Name, denn „nalewka” kommt von „nalewać” – „eingießen”). Ursprünglich nahm man vor allem Kräuter, und Nalewka galt als Heilmittel. Später kamen Früchte und Nüsse dazu – und daraus wurde das Getränk, das wir heute kennen. Industriell hergestellte Nalewkas und aromatisierte Wodkas sind allerdings oft etwas anderes: Meist werden Aromen einfach in reinen, destillierten Wodka gemischt.
1. Wenn du noch nie von Żubrówka gehört hast, dann – mit allem Respekt – hast du wirklich was verpasst. Die 2019 drittbeliebteste Wodkamarke der Welt gilt als eines DER Mitbringsel aus Polen (mehr dazu findest du hier). Berühmt ist sie für den Grashalm in jeder Flasche – ein kleiner Hinweis auf das Geheimnis dahinter. Dahinter steckt ein Kraut, das im Białowieża-Urwald an der polnisch-belarussischen Grenze wächst. Es sorgt für das Aroma und die gelbliche Farbe. Wir empfehlen, Żubrówka einfach pur zu trinken – sie ist angenehm mild. Sehr beliebt ist auch ein Cocktail (oft „Tatanka” genannt): Żubrówka mit Apfelsaft, manchmal mit einer Zitronenscheibe und etwas Zimt obendrauf. Schmeckt wie Apfelkuchen!!
Żubrówka - Polish bison grass vodka
2. Ein weiteres altes polnisches Rezept ist Krupnik – eine honigbasierte Tinktur mit bis zu 50 verschiedenen Kräutern!! Die Variante, die man im ganzen Land am häufigsten findet, hat „nur” 27. Trotzdem ist der Geschmack schön weich. Am besten langsam nippen und nicht mischen – Krupnik ist für sich schon die perfekte Mischung.
Krupnik - Polish flavoured vodka
3. Ähnlich ist Żołądkowa Gorzka – nur mit weniger Kräutern. Die Süße kommt hier aus einer Mischung aus Muskat, Nelken und Zimt. Der Autor empfiehlt: Wodka über kleine Stücke frischer Gurke gießen, kurz ziehen lassen und dann mit einem Sprite-/7UP-ähnlichen Softdrink auffüllen. Schmeckt wie ein frischer Salat – perfekt als Sommerfrühstück! 😉
Wenn dir solche Mischungen zu viel sind, bekommst du viele Kräuter auch einzeln angesetzt. Viel zu viele, um sie hier alle aufzuzählen – als Beispiel nennen wir Piołunówka (eine Verwandte des Absinths!).
Polnischer Kräuterwodka – Piołunówka
4. Es gibt auch viele fruchtige Varianten, aber besonders im Fokus steht die Pflaume: In vielen slawischen Ländern begegnet dir Śliwowica. Das Besondere: Sie sollte ausschließlich durch die Gärung der Pflaume selbst hergestellt werden. Berühmt ist sie außerdem für ihren Alkoholgehalt von etwa 60–70 %. Für Polen sind zwei Versionen erwähnenswert:
- Śliwowica Łącka, aus einer kleinen Region in Südpolen, wo das Rezept seit dem 17. Jahrhundert über Generationen weitergegeben wird,
- Passover Slivovitz, unter rabbinischer Aufsicht hergestellt – eine koschere Version. Mehr zur besonderen Geschichte polnischer Juden und Spirituosen findest du hier.
Polnischer Wodka – Śliwowica
Weitere beliebte Sorten sind wiśniówka (Sauerkirsche – schmeckt tatsächlich ein bisschen wie Hustensaft, also muss es gesund sein!), pigwówka (Quitte), czarny bez (Holunderblüte) und cytrynówka (Zitrone).
5. Viele der oben genannten Nalewkas und Wodkas wurden früher – und werden heute wieder – zu Hause angesetzt. Lange Zeit war das allerdings illegal. Hochprozentiges herzustellen war Staatsmonopol (bis heute heißen manche Alkoholgeschäfte in Polen „monopolowe”). Natürlich hat das kaum jemanden aufgehalten: Selbstgebrannter, in Polen „bimber” genannt, war weit verbreitet – manchmal leider in sehr schlechter Qualität. Eine ehrenvolle Erwähnung verdient przepalanka: ein Wodka auf Basis von verbranntem, karamellisiertem Zucker.
Die richtigen Worte beim Trinken von polnischem Wodka
Zum Schluss die wichtigste Frage: Was sagt man beim Anstoßen? „Na zdrowie!” (ausgesprochen „na zdrovyeh”) ist ein Trinkspruch, den es in ähnlicher Form in vielen Kulturen gibt – er bedeutet schlicht „auf die Gesundheit”. Praktisch auf Reisen durch slawische Länder: Oft klingt der Toast sehr ähnlich, und selbst wenn nicht, wird man ihn verstehen. Und Sie gelten in Sekunden als „einer von uns”.
Was bleibt noch zu sagen? Schauen Sie in Ihrem Lieblingsladen oder in einer Bar vorbei – oder noch besser: Kommen Sie nach Polen. Wählen Sie einen Wodka aus unserem kleinen Guide, stoßen Sie an, sagen Sie „na zdrowie” und book eine Tour mit uns! 😉
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