Ostern in Polen - Ihr Guide zu Traditionen, Bräuchen und kulinarischen Spezialitäten
Wir entdecken polnische Ostertraditionen: Palmen am Palmsonntag, die "święconka" am Karsamstag (Pisanki, Kiełbasa, Baranek) und das Osterfrühstück mit Żur und Babka.
Culture • Practical Tips • 8 Min. Lesezeit
In Polen nehmen wir unsere Traditionen ziemlich ernst. Besonders, wenn es um Essen und Feiertage geht. Und Ostern ist in Polen - neben dem spirituellen Aspekt - vor allem genau das.
Ostern ist natürlich ein christliches Fest und erinnert an die Auferstehung Christi. Gleichzeitig ist es eng mit heidnischen Bräuchen verbunden, die den Frühlingsbeginn markieren. Auch wenn Polen - vor allem in den großen Städten - immer säkularer wird, machen die meisten Menschen unabhängig von ihren religiösen Überzeugungen bei den kirchlichen Feierlichkeiten dieser Tage mit.
Palmsonntag - Start der Osterzeit und der Vorbereitungen
Schauen wir uns die wichtigsten Bräuche und Traditionen rund um das polnische Osterfest an.
Los geht es am Palmsonntag (Niedziela Palmowa). Er erinnert an den Tag, an dem Jesus in Jerusalem einzog. Palmen gibt es in Polen bekanntlich nicht, also nahm man einfach, was gerade da war. So war es zumindest früher. Damals banden Frauen Weidenzweige, Weidenkätzchen, Blumen, getrocknete Gräser und Papierblumen zu einem bunten Stab von etwa einem Meter Länge zusammen.
Für den Palmsonntag vorbereitete Palme.
In manchen Orten in Polen gibt es bis heute Wettbewerbe für die höchste und schönste Palme. Die Palmen, die dort antreten, sind meist zu groß und zu schwer, um sie herumzutragen.
In manchen Orten in Polen gibt es Wettbewerbe für die größte und schönste Osterpalme. So eine Palme wurde für den Wettbewerb in Łyse im Jahr 2010 gemacht. Foto: Magic Madzik, Wikimedia Commons.
Heute macht man sie kaum noch selbst, meistens kauft man sie im Laden. Am Palmsonntag nimmt man seine Palme mit in die Kirche, damit sie geweiht wird. Das soll dem Haushalt Gesundheit und Glück bringen.
Osterpalmen in Kraków, Quelle: Wikimedia Commons.
Nachdem du deine Palme am Palmsonntag segnen lassen hast, startet eine Woche voller Vorbereitungen. Der Palmsonntag ist der Auftakt zur Karwoche. Und neben den Gottesdiensten (die wirklich jeden Tag stattfinden!) geht es in dieser Zeit vor allem darum: putzen und kochen. Das Aufräumen zu Hause hängt auch mit dem Frühlingsbeginn zusammen. Für viele ist das die klassische Zeit für den großen Hausputz - inklusive Fensterputzen. Auf dem Land werden manchmal sogar Scheunen und Ställe neu gestrichen.
Pisanki und der polnische Osterkorb
Wenn Putzen und Kochen größtenteils erledigt sind, kommt der Karsamstag. An diesem Tag gehen viele Polen mit der święconka, dem Osterkorb, in die Kirche. In so einen polnischen Osterkorb gehört eine feste Auswahl an Dingen - ohne sie geht es nicht. Ganz oben stehen die Ostereier, die pisanki. Die Tradition der Ostereier ist älter als Ostern selbst. Manche sagen, sie sei mindestens 5000 Jahre alt! In vorchristlicher Zeit galten gefärbte Eier als Talismane. Man stellte sie zu Frühlingsbeginn her, um das Erwachen der Natur nach dem Winter zu feiern. Das Ei war (und ist) ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit. Damals sollte es außerdem Häuser vor bösen Geistern schützen, manchmal vergrub man Eier sogar in den Hausfundamenten. Bis heute vergraben manche Menschen nicht aufgegessene Ostereier, wenn sie abgelaufen sind, am Hausfundament - statt sie einfach wegzuwerfen.
Polnische Ostereier - pisanki.
Unsere kunstvoll verzierten Ostereier, die Pisanki, werden auf unzählige Arten gestaltet. Der Name Pisanki kommt vom polnischen Verb „pisać“, das „schreiben“ bedeutet. Ursprünglich „schrieb“ man Ornamente mit Wachs auf die Eier. Danach färbte man sie. Nach dem Entfernen des Wachses blieben die Muster in der ursprünglichen Farbe sichtbar. Schon früher nutzte man natürliche Farbstoffe, die bis heute beliebt sind: Zwiebelschalen färben die Eier orange-rötlich, Roggensprossen grün, Rote-Bete-Saft rosa und Apfelbaumrinde gelb. Manchmal bläst man die Eier auch aus: Dabei entfernt man den Inhalt vorsichtig durch zwei kleine Nadelstiche, sodass nur die Schale übrig bleibt. Diese ausgeblasene Schale, eine sogenannte Wydmuszka, wird dann verziert.
Polnische Ostereier - Pisanki.
Heute gibt es Hunderte von Möglichkeiten, Pisanki zu verzieren. Viele dieser Techniken sind tief in Volkstraditionen und -motiven verwurzelt.
Was gehört noch in den klassischen polnischen Osterkorb? Neben Pisanki finden wir darin Kiełbasa (die polnische Wurst), oft auch Schinken, Meerrettich, Salz, Pfeffer, Brot, Babka (einen Hefekuchen) und die Figur eines Baranek (das Osterlamm aus Brot oder Zucker). All das wird auf einer weißen Leinen- oder Spitzenserviette angerichtet und damit zugedeckt. Wir schmücken den Korb auch mit Buchsbaumzweigen. Den so vorbereiteten Korb bringen wir dann zur Segnung in die Kirche. Aber Achtung: Nach der Rückkehr nach Hause darf er bis zum nächsten Morgen NICHT angefasst werden!
Polnischer Osterkorb.
Am Abend des Karsamstags findet die feierliche Auferstehungsmesse mit Prozession statt. Die meisten polnischen Katholiken nehmen daran teil. Selbst wer sonst nicht regelmäßig in die Kirche geht, besucht diesen besonderen Gottesdienst.
Das Osterfrühstück in Polen
Polnischer Ostersonntag.
Am nächsten Morgen erwartet uns dann das festliche Osterfrühstück. Endlich dürfen Sie Ihren Osterkorb auspacken! Zu Beginn der Mahlzeit wünschen sich die Familienmitglieder gegenseitig alles Gute und teilen ein am Vortag gesegnetes Ei. Das Osterfrühstück ist ein wahres Fest für Fleischliebhaber! Wir genießen unter anderem Schinken, klassische Kiełbasa, weiße Kiełbasa (aus ungeräuchertem Schweinefleisch), Pastete (Pasztet), Eier in allen Variationen, Meerrettich und Żur. Żur ist eine typisch polnische Suppe aus fermentiertem Roggenmehl, die mit hartgekochten Eiern und Wurst serviert wird. Danach erwartet uns eine riesige Auswahl an Osterkuchen. Ganz vorne dabei ist die Babka. Sie ist ein hoher Hefekuchen mit einem Loch in der Mitte, oft mit bis zu 15 Eigelb gebacken und mit Zuckerguss überzogen. Der Name Babka bedeutet Großmutter. Er spielt wohl auf die Form des Kuchens an – er erinnert ein wenig an einen weiten Rock.
Polnischer Osterkuchen - Babka.
Neben dem Makowiec, einem Mohnkuchen, und dem Sernik, dem polnischen Käsekuchen, gibt es zu Ostern einen ganz besonderen Star: den Mazurek. Dieser einzigartige, sehr dünne polnische Kuchen besteht aus ein oder zwei Mürbeteigschichten, die oft mit Marmelade verbunden und mit Zuckerguss, Schokolade sowie kleinen Leckereien bedeckt sind. Häufig ist er aufwendig mit Ostersymbolen verziert und dient somit auch als wunderschöne Dekoration.
Polnischer Osterkuchen - Mazurek, Quelle: Wikimedia Commons.
Interessieren Sie sich für polnisches Essen? Dann werfen Sie einen Blick auf unseren Artikel dazu! Darin stellen wir Ihnen die traditionellsten und leckersten Gerichte vor, die Sie unbedingt probieren sollten.
Osternasser Montag
Am nächsten Tag erwartet uns eine der verrücktesten Traditionen, die wir in Polen haben: der Śmigus Dyngus oder Lany Poniedziałek, der „nasse Montag“. An diesem Tag ist es Brauch – ja, sogar erwünscht –, sich gegenseitig mit Wasser zu bespritzen. Seien Sie also wirklich vorsichtig, wenn Sie durch polnische Städte spazieren – Sie könnten nass werden! Vorsicht ist geboten! Besonders Kinder und Jugendliche beteiligen sich mit großer Begeisterung an dieser Tradition. Meistens bespritzen Jungen dabei Mädchen mit Wasser. In kleineren Städten und Dörfern sieht man sogar noch, wie Jungen Mädchen mit Wassereimern jagen. Manchmal berühren sie die Mädchen auch mit Weidenzweigen. Klingt ein bisschen gemein, oder? Aber ehrlich gesagt ist es wie das Zöpfeziehen in der Schule: Jungen jagen die Mädchen, die sie am liebsten mögen. Es ist eine Art, ihre Zuneigung zu zeigen. Eine alte Volkstradition besagt sogar, dass ein Mädchen, das am nassen Montag nicht nass wird, nicht so schnell heiraten wird. Die beliebtesten Mädchen werden also mehrmals komplett durchnässt!
Gemälde „Dyngus“ von Zofia Stryjeńska.
Heute sind Eimer natürlich nicht mehr die einzigen „Werkzeuge“ – man sieht alles, was Wasser fassen kann: Flaschen, Wasserpistolen, Ballons, Wasserbomben... Alles ist erlaubt! Und selbst wenn Sie niemanden vor oder hinter sich sehen, heißt das nicht, dass Sie sicher sind! Die Gefahr kann auch von oben kommen! Es gab sogar schon Fälle, in denen Feuerwehrautos an diesen Wasserschlachten teilgenommen haben! Verrückt, oder? Sie fragen sich jetzt sicher, warum wir das überhaupt tun...? Nun, diese Tradition hat wahrscheinlich einen vorchristlichen Ursprung und ist eng mit dem Frühlingsanfang verbunden. Wasser stand in vielen Kulturen, auch in der slawischen heidnischen Kultur, für die lebensschaffende Kraft. Mit dem Frühling kommt ja bekanntlich neues Leben.
Śmigus Dyngus, dargestellt von Zofia Stryjeńska.
Ich habe Ihnen hier die landesweiten Ostertraditionen und -bräuche vorgestellt. Aber viele Regionen und Städte in Polen haben ihre ganz eigenen, besonderen Rituale. Neugierig geworden? Dann werfen Sie einen Blick auf die Krakauer Traditionen, die wir in diesem Artikel genauer beleuchten.
Ich hoffe, diese Bräuche haben Ihr Interesse geweckt und Sie möchten sie bald selbst erleben – und natürlich probieren! Wir zeigen Ihnen gerne diese einzigartigen polnischen Traditionen. Kommen Sie mit auf unsere Touren (besonders auf die kulinarischen), um noch mehr zu entdecken!
Zum Schluss möchte ich Ihnen noch ein paar wichtige Osterwörter vorstellen, damit Sie die Aussprache kennen. Bereit? Los geht's:
Wielkanoc /Vyel-kah-nots/ Ostern
Pisanki /Pee-sahn-kee/ Ostereier
Koszyk wielkanocny /KOH-shyk vyel-KAH-nots-ny/ Osterkorb, auch święconka /shfyen-TSON-ka/ genannt
Kiełbasa /kyew-BA-sa/ Wurst
Jajka /Yai-ka/ Eier
Chrzan /H-rzhan/ Meerrettich
Babka /Bahb-ka/ Hefekuchen
Mazurek /Ma-zoo-rek/
Żurek /Zhoo-reck/ Weißer Borschtsch
Baranek /Ba-RA-nek/ Osterlamm
Und zu guter Letzt:
Wesołych Świąt! /Vess-OH-with Schvee-ohnt!/ Frohe Ostern!
Ihnen allen! 🙂
Gosia
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