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Die fabelhaften 6 Polens - wer bringt dort eigentlich die Geschenke?

Wer bringt in Polen eigentlich die Geschenke? Wir stellen die „Wunderbaren 6“ polnischen Gabenbringer vor - vom Heiligen Nikolaus bis zum Sternmann.

Culture • Practical Tips • 5 Min. Lesezeit

Weihnachten rückt immer näher. Zeit also für eine sehr wichtige Frage: Wer bringt in Polen eigentlich die Geschenke? Sind Sie bereit für die „Fabelhaften Sechs“ der polnischen Weihnacht?

Der gute alte Weihnachtsmann

Starten wir mit dem Bekanntesten: dem guten alten Weihnachtsmann. Natürlich hat er magische Helfer. In Polen sammeln fleißige Elfen die Wunschzettel der Kinder ein. Einfach den Brief auf die Fensterbank legen, und schwupps - schon ist er weg! Aber Achtung, hier kommt die erste Überraschung: In Polen kommt der Weihnachtsmann bereits am 6. Dezember. Diesen Tag nennen wir Mikołajki. Dann feiern wir den Heiligen Nikolaus von Myra. Dieser Bischof aus dem 3. und 4. Jahrhundert ist das historische Vorbild für unseren heutigen Weihnachtsmann.

Darstellung des Heiligen Nikolaus aus dem 13. Jahrhundert (Katharinenkloster, Sinai)

Der Legende nach verteilte er das Erbe seiner Eltern an die Armen und brachte den Menschen heimlich Geschenke. Daraus entstand - mit etwas Hilfe aus den Niederlanden und von Coca-Cola - das Bild, das wir heute alle kennen: ein gemütlicher, fröhlicher Mann mit weißem Bart und Brille, rotem Mantel mit weißem Pelz und einem dicken Sack voller Geschenke.

In Polen kommt der Nikolaus schon am Vorabend seines Namenstages zu den Kindern. Namenstage feiern wir bei uns übrigens groß! Heimlich legt er die Geschenke unter das Kissen oder das Bett. Doch das ist noch nicht alles: Nach dieser langen Nacht besucht er am 6. Dezember auch Kindergärten und Grundschulen. Wenn wir uns heute alte Fotos ansehen, auf denen wir weinend auf seinem Schoß sitzen, war das wohl oft ein ziemlich furchteinflößendes Erlebnis...

 

Die einzigartigen und wunderbaren polnischen 6!

Mikołajki ist nur das Aufwärmprogramm! Jetzt kommen wir zum eigentlichen Höhepunkt - den magischen Wesen, die an Heiligabend die Geschenke bringen. Ganz genau: an Heiligabend, nicht erst am ersten Weihnachtstag! So machen wir das in Polen!

Auf wen man an Heiligabend wartet, hängt ganz von der Region ab. Die Kinder in Westpolen haben David Bowie zum Beispiel einiges voraus: Dort bringt der Sternenmann - auf Polnisch Gwiazdor - schon seit Ewigkeiten die Geschenke! Diese Figur stammt von den traditionellen Sternsingern, die singend von Haus zu Haus zogen. Einer von ihnen trug immer einen Stab mit einem Stern an der Spitze, daher der Name. Traditionell trägt der Sternenmann Schafspelz und Pelzmütze, sein Gesicht ist hinter einer Maske verborgen oder mit Ruß beschmiert. 

Ich selbst habe immer auf Gwiazdka, den kleinen Stern, gewartet. Sie bringt den braven Kindern in Südpolen die Geschenke. Warum ausgerechnet ein Stern? Nun, suchen wir nicht alle nach dem ersten Stern am Himmel, bevor wir mit dem Weihnachtsessen beginnen? Und sind nicht auch die Heiligen Drei Könige dem Stern nach Bethlehem gefolgt?

Meine Mutter hingegen stammt aus Zentralpolen. Sie hat uns früher oft damit gewarnt, dass uns Aniołek - das kleine Engelchen - nicht besuchen würde, wenn wir unartig sind. Auch diese Figur gehört zu den Sternsingern. Man trifft sie zur Weihnachtszeit noch heute in vielen Regionen, besonders in kleineren polnischen Städten und Dörfern.

Sowohl der kleine Stern als auch das kleine Engelchen fliegen für Kinderaugen völlig unsichtbar vorbei und legen ihre Geschenke heimlich unter den Weihnachtsbaum.

Wer Weihnachten in Schlesien verbringt, wird überrascht sein. Diese Region ist besonders - hier bringt nämlich das Christkind (Dzieciątko) die Geschenke. Ganz anders sieht es auf der anderen Seite Polens aus, nahe der Grenze zu Belarus. Dort trifft man ab und zu auf einen älteren Herrn namens Väterchen Frost, auf Polnisch Dziadek Mróz.

Ursprünglich war er in der heidnischen Mythologie eine ziemlich unheimliche Figur. Er entführte Kinder, ließ Menschen erfrieren und forderte Geschenke von verzweifelten Eltern. Zum Glück hat er sich im Laufe der Zeit gewandelt! Heute ist er ein durchweg freundlicher Geselle und wird oft von seiner Enkelin Schneeflöckchen (Śnieżynka) begleitet.

Väterchen Frost stammt aus der russischen Kultur und kam während des Kommunismus in einige ostpolnische Gebiete. Die damalige Propaganda versuchte sogar, den Weihnachtsmann durch ihn zu ersetzen. Die Behörden ordneten an, dass er bei Feiern in Schulen und Kindergärten auftrat - so sollte die Illusion einer kulturellen Verbundenheit zwischen Polen und der Sowjetunion entstehen. 

Zählen wir mal nach: Wir haben nun fünf Figuren kennengelernt. Fehlt nur noch das letzte magische Wesen - die Zwerge. Diese kleinen Helfer bringen den Kindern in den polnischen Gebieten nahe der ukrainischen Grenze die Geschenke.  

 

Eine Lösung für unartige Kinder! 

Eines müssen wir noch erwähnen: In Polen gibt es auch eine Tradition für unartige Kinder! Wer sich nicht benimmt, bekommt von den Geschenkebringern - egal ob Weihnachtsmann oder Sternenmann - eine Rute. Es lohnt sich also, brav zu sein, um am Ende nicht nur mit einem Bündel Birkenzweige dazustehen!

 

Vielleicht denken Sie sich jetzt: In Polen lohnt es sich wirklich, ein braves Kind zu sein. Schließlich bringen nicht nur wundersame Gestalten die Geschenke - man wird sogar gleich zweimal beschenkt! Und jetzt fragen Sie mal polnische Eltern, was sie davon halten! 😉

 

Gosia

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